Begrifflichkeiten in der Psychosozialen Notfallversorgung

Der Bereich der PSNV ist von einer hohen Begriffsvielfalt geprägt.

Im Rahmen einer Konsensus-Konferenz im Jahr 2008 wurde dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Aufgabe übertragen, eine „PSNV-Synopse“ zu erstellen.

Das Ergebnis dieser Recherche umfasste damals 112 Begriffe rund um das Thema PSNV und machte die Notwendigkeit deutlich, „sich langfristig auf eine überschaubare und einheitliche Anzahl gemeinsamer Begrifflichkeiten zu verständigen und diese eindeutig zu definieren, um den Bereich PSNV verständlicher und nachvollziehbarer zu gestalten“ (BBK 2013, S. 25 ff.).

Die gebräuchlichsten Begriffe und vor allem auch die, die hier auf der Homepage verwendet werden, werden im Folgenden erläutert und definiert:

PSNV ist definiert als „Gesamtstruktur und die Maßnahmen der Prävention sowie der kurz-, mittel- und langfristigen Versorgung im Kontext von belastenden Notfällen bzw. Einsatzsituationen“ (BBK 2013, S. 20).
„Grundannahme der PSNV ist es, dass zur Bewältigung von psychosozialen Belastungen und kritischen Lebensereignissen zunächst personale Ressourcen (wie Coping-Strategien, Kontrollüberzeugung, Selbstwirksamkeitserwartung, Optimismus etc.) und soziale Ressourcen im informellen Netz der Betroffenen aktiviert werden. Maßnahmen der PSNV wirken ergänzend oder substituierend im Fall des (zeitweise) Fehlens oder Versiegens dieser Ressourcen.“ (ebd., S. 20).

Die Krisenintervention kann als die „fürsorgliche Begleitung [von Betroffenen] in dieser Krise und alles methodisch-strukturierte Tun und Handeln“ beschrieben werden (Nikendei 2012, S. 30). 

Das Wort „Krise“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet wörtlich „Zwiespalt, Streit“. „Intervenire“ hingegen kommt aus dem lateinischen und heißt „dazwischen gehen“.

Ein Kriseninterventionsteam (KIT) meint eine Gruppe von Menschen, die Personen, die von einer Krise betroffen sind, in der Akutsituation einmalig betreuen und unterstützen. Eine andere, synonyme, Bezeichnung ist die des Kriseninterventionsdienstes (KID). Beide Bezeichnungen finden vor allem bei den Hilfsorganisationen (z.B BRK) Anwendung.

Die Notfallseelsorge ist ein kirchlich geprägter Begriff. Sie umfasst die „seelsorgliche Hilfe für Opfer und Helfer“ (Müller-Lange 2013, S. 22). In den Hamburger Thesen ist die Notfallseelsorge als seelsorglicher Auftrag der Kirchen beschrieben, die die christliche Tradition, allen Menschen in Not beizustehen, aktualisiert und dann zum Tragen kommt, wenn die „klassischen seelsorglichen Angebote und Strukturen der Kirche nicht oder erst verzögert greifen“ (ebd., S. 25).

Als Peer (wörtlich Kollege/Kollegin) werden im Kontext der PSNV speziell ausgebildete Einsatzkräfte z.B. aus dem Rettungsdienst bezeichnet, die sich im Bereich PSNV für Einsatzkräfte weitergebildet haben. Peers stehen ihren Kollegen und Kolleginnen aus dem Einsatzdienst nach belastenden Einsätzen als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie sind aber auch für Schulungen im Bereich PSNV und der eigenen Psychohygiene verantwortlich.

Hier findest Du bei Interesse das Literaturverzeichnis.