Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen der PSNV

Hier findest du einen allgemeinen Überblick über die Ziele, die unterschiedlichen Zielgruppen und die jeweiligen Maßnahmen im Rahmen der psychosozialen Notfallversorgung.

Bei der PSNV-Arbeit handelt es sich um ein Präventionsangebot. Ziel ist es, "psychosoziale Belastungsfolgen“ nach belastenden und herausragenden Ereignissen zu vermeiden oder diese so wie so früh wie möglich zu erkennen. Es soll eine „Bereitstellung von adäquater Unterstützung und Hilfe für betroffene Personen und Gruppen (…)“ erfolgen (vgl. BBK 2013, S. 20).

Es gibt dabei in der PSNV zwei verschiedene Zielgruppen: Betroffene aus der Zivilbevölkerung und die Einsatzkräfte (Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr,...).

Die PSNV für Betroffene aus der Zivilbevölkerung (kurz PSNV-B) umfasst z.B. die Betreuung von Angehörigen nach einem pötzlichen Todesfall, einem Suizid, Erst-Helfende bei einem schweren Verkehrsunfall oder Opfer von Gewalttaten.

Die Begleitung von Einsatzkräften (kurz PSNV-E) erfolgt in der Regel nach belastenden Einsätzen der Einsatzkräfte (vgl. Nikendei 2012, S. 31). Dies kann z.B. ein Einsatz mit vielen Toten, beteiligten Kindern oder der Verlust eines Kollegen/einer Kollegin sein.

In den ersten Stunden nach einem belastenden Ereignis kommen vor allem die psychische Erste-Hilfe und die Psychosoziale Akuthilfe zu Anwendung.

Die psychische Erste-Hilfe wird z.B. von Einsatzkräften des Rettungsdienstes unmittelbar an der Einsatzstelle mit einem Basiswissen durchgeführt. So ist etwa in der Notfallsanitäterausbildung, der Berufausbildung im Rettungsdienst, zum Teil auch das Thema PSNV Bestandteil des Stundenplanes. Die Kolleginnen und Kollegen des Rettungdienstes bieten dann bei Bedarf den Betroffenen an, PSNV-Kräfte zur weiteren und längeren Unterstützung zu alarmieren.

Psychosoziale Akuthilfe wird z.B. durch die Kriseninterventionsdienste oder die Notfallseelsorge durchgeführt. Im Vordergrund stehen eine Bedürfnis- und Bedarfserhebung, methodisch-strukturierte Gesprächsangebote vor Ort und eine mögliche Weitervermittlung an weiterführende Hilfsstellen. Wie ein Einsatz beispielhaft ablaufen kann, kannst Du in einem Einsatzbericht nachlesen.

Nach einigen Tagen und im Zeitraum von Wochen bis Monaten findet dann, wenn diese nötig ist, die mittel- und langfristige Hilfe statt. Psychosoziale Hilfen/Diagnostik und Intervention in der ambulanten und stationären Versorgung, insbesondere ärztliche und psychologische psycho(trauma-) therapeutische (Früh-)Intervention: hierbei handelt es sich um mittel- und längerfristige psychosoziale Hilfen und heilkundliche Angebote. Damit sind z.B. Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen, Psychotherapeuten, Traumatherapeuten, Psychiatrien etc. gemeint (vgl. Nikendei 2012, S. 31f.). An diese verweisen die PSNV-Kräfte vor Ort ggf. die Betroffenen im Rahmen eines Einsatzes.

Auf der Konsensus-Konferenz 2008 wurde ein Modell beschrieben, wie die PSNV Maßnahmen für Einsatzkräfte stattfinden. Demnach findet "die psychosoziale Prävention im Einsatzwesen vor, während und nach dem Einsatz statt" (BBK 2013, S.36). Das Hauptaugenmerk liegt daher auf den folgenden Maßnahmen: 

Vor dem Einsatz ist eine fundierte und qualitativ hochwertige Ausbildung der Einsatzkräfte ein wichtiger Bestandteil der primären Prävention. Hochwertige Kenntnisse und Fähigkeiten im Arbeitsablauf erhöhen die Handlungssicherheit und minimieren daher das Risiko für belastende Situationen. Aber eben auch Kenntnisse speziell im Gebiet der PSNV gehören zu einer guten Basis dazu, vor allem für Führungskräfte - diese müssen "Überforderungen und Belastungen erkennen und ggf. vermeiden können" (ebd., S.36).

Bei besonders belastenden Einsätzen kommen weitere Maßnahmen in Frage. So sollten dabei während dem Einsatz im Rahmen einer sekundären Prävention weitere Maßnahmen für den Schutz der Einsatzkräfte getroffen werden. "Dazu gehören neben geregelten Pausen- und Ablösezeiten und ausreichender Basisversorgung mit Nahrungsmitteln auch die unaufdringliche Präsenz von psychosozialen Fachkräften und speziell geschulten Einsatzkräften (Peers) sowie nicht verpflichtende Gesprächsangebote" (ebd., S.36). Im Anschluss an einen Einsatz spielt die Einsatznachsorge eine wichtige Rolle. Hierbei gibt es verschiedene Hilfsangebote, so z.B. Einzel- oder Gruppengespräche durch psychosoziale Fachkräfte und besonders ausgebildeten Einsatzkräften (Peers) oder die Vermittlung an weiterführende Hilfsstellen (vgl. ebd., S.36).

Um dies bei uns zu gewährleisten und umzusetzen haben wir ein eigenes kleines Team an speziell geschulten Einsatzkräften, die diese Aufgaben im Bereich der PSNV-E wahrnehmen und dem Kreisverband beratend zur Seite stehen.

Hier findest Du bei Interesse das Literaturverzeichnis.